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Miteinander reden – auch über Stigma

Uns kommt es vor, als wäre es gestern gewesen: Vom 10. bis 20. Oktober hat die jährliche Woche der Seelischen Gesundheit stattgefunden. In ihrem Kontext gab es so viele Veröffentlichungen und Aktionen – z.B. auch unseren ersten live-Supporttalk von REDEZEIT FÜR DICH im Hamburger Espresso House Alstertor. Danke für Euren Besuch. Danke für Eure Offenheit und die vielen berührenden und intensiven Gespräche. Wir von LESEZEIT finden, dass seelische Gesundheit IMMER thematisiert werden sollte. Deswegen folgt hier zusammen mit Autorin Nora Hille ein Rückblick auf die Woche der Seelischen Gesundheit mit Schwerpunkt auf den Themen Stigmatisierung psychisch Kranker in unserer Gesellschaft und Anti-Stigma-Arbeit. Denn gerade bei Letzterer ist noch viel zu tun.

Motto: Reden hebt die Stimmung

Dieses Mal stand die Woche der Seelischen Gesundheit unter dem Motto „Reden hebt die Stimmung – Seelisch gesund in unserer Gesellschaft”. Denn nur wenn wir über mentale Gesundheit reden, und zwar über psychische Herausforderungen, die jeder gesunde Mensch kennt, genauso wie über psychische Erkrankungen, können wir Berührungsängste abbauen und uns stattdessen gegenseitig unterstützen, den gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern und Stigma vorbeugen.

Psychisch Erkrankte sind keine Randgruppe mehr

Menschen mit psychischen Erkrankungen sind schon lange keine Randgruppe mehr und genau deswegen ist Verständnis füreinander dringend nötig. Mehr als jeder vierte Erwachsene in Deutschland erkrankt statistisch gesehen im Zeitraum eines Jahres psychisch – eine Zahl mit steigender Tendenz*. Im Laufe seines Lebens wird jeder Dritte** mit einer psychischen Erkrankung konfrontiert werden. Und vermutlich jeder von uns kennt neben eigenen psychische Krisen und Herausforderungen privat einen (oder gar mehrere Menschen), der phasenweise mit einer psychischen Erkrankung zu kämpfen hat.

Die Welt, in der wir leben, wird immer unsicherer: Durch den Ukraine-Krieg, Inflation, explodierende Energiepreise, die Corona-Pandemie, Klimakrise, Flüchtlingsströme und Hungersnöte in Entwicklungsländern etc. sind wir alle permanent mit einem unterschwelligen Dauerstress psychisch belastet. Dadurch nimmt die Bedeutung von mentaler Gesundheit – und hierbei gerade auch der Vorsorge-Gedanke – weiter zu.

Anti-Stigma-Arbeit: Engagement für gleichberechtigtes Miteinander

Immer wieder erleben psychisch kranke Menschen neben dem unmittelbaren Leid durch die Erkrankung in unserer Gesellschaft Ausgrenzung und Benachteiligung bis hin zu übelsten Beschimpfungen und Diskriminierung. Das schmerzt und verunsichert Betroffene enorm. Dies kann zum sozialen Rückzug führen, zu massiver Abwertung und zur Selbst-Stigmatisierung.

Deswegen engagiert sich das Aktionsbündnis Seelische Gesundheit als bundesweite Anti-Stigma-Initiative und mit ihr die über 140 angeschlossenen Mitgliedsorganisationen (darunter auch REDEZEIT FÜR DICH) dafür, dass psychische Erkrankungen nicht länger tabuisiert und psychisch erkrankte Menschen nicht mehr stigmatisiert werden. Mehr noch: Es gilt mit Hilfe der Anti-Stigma-Arbeit ein gleichberechtigtes Miteinander zwischen Gesunden und psychisch kranken Menschen zu schaffen.

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In der aktuellen Kolumne „Woche der Seelische Gesundheit: Lasst uns reden – auch über Stigma!“, die Nora Hille für das Online-Magazin FemalExperts geschrieben hat, werden unter anderem folgende Aspekte thematisiert:

▶ Psychisch Kranke sind wertvolle Gesprächspartner

▶ Das Kontinuummodell: Was ist gesund, was schon krank?

▶ Definition von Stigma und Stigmatisierung

▶ Stigmatisierungsbeispiele

▶ Über die Auswirkungen von Stigma

▶ Definition von Selbst-Stigma

▶ Anti-Stigma-Arbeit und Anti-Stigma-Initiativen

▶ Persönliches Anti-Stigma-Engagement

Mehr dazu in der Kolumne von Nora Hille!

Quellen:

* https://www.dgppn.de/_Resources/Persistent/f80fb3f112b4eda48f6c5f3c68d23632a03ba599/DGPPN_Dossier%20web.pdf

** https://www.caritas-muenster.de/wirhelfen/hilfenfuerpsychischkrankemenschen/hilfenfuerpsychischkrankemenschen

Über die Autorin

Nora Hille, Jahrgang 1975, verheiratet, zwei Kinder. Studium Geschichte, Literatur- und Medienwissenschaften. 12 Jahre Arbeit im Bereich Kommunikation/PR. Aus gesundheitlichen Gründen verrentet. Schreibt als Betroffene und Erfahrungsexpertin zu den Themen Mental Health und Psychische Erkrankungen. Engagiert sich für die Anti-Stigma-Arbeit, also gegen die Stigmatisierung (Ausgrenzung) psychisch Kranker in unserer Gesellschaft für mehr Miteinander, Toleranz und Gleichberechtigung. Außerdem verfasst sie literarische Essays, Gedichte und Kurzprosa.